Am 21. März 2026 fand in Strausberg in Brandenburg ein erfolgreiches deutsch-italienisches Seminar über Bunker des Kalten Krieges statt. Im Postbunker der ehemaligen DDR nutzten die Teilnehmer und Referenten die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zu Präsentationen, wobei stillgelegte Regierungs- und Staatsbunker als Fallbeispiele dienten.
Organisiert und durchgeführt wurde die internationale Veranstaltung von FORTE CULTUTRA in Zusammenarbeit mit der Bezirksgruppe Brandenburg des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des BDB und dem Kulturbunker Strausberg.
FORTE CULTURA verbindet Befestigungsanlagen aus allen Epochen, die bis zum Aufkommen der Feuerwaffen zurückreichen
Das Seminar begann mit einer Einführung in die Geschichte der Festungsbaukunst und der sogenannten „Architectura Militaris“, die von Wall- und Grabenbefestigungen über römische Kastelle, mittelalterliche Burgen und Stadtbefestigungen, moderne Zitadellen und Bastionsanlagen bis hin zu Festungskomplexen des 19. Jahrhunderts und Bunkeranlagen aus der Zeit des Kalten Krieges reicht. Heute verbindet die Europäische Kulturroute FORTE CULTURA zahlreiche stillgelegte Stätten aus dem Bereich der Befestigungsanlagen und Bunker mit dem Ziel, die grenzüberschreitende kulturhistorische und touristische Entwicklung zu fördern. Obwohl einige Bunker noch heute in Betrieb sind, dienen viele andere als Museen oder Gedenkstätten. Als Relikte einer Zeit ständiger Bedrohung veranschaulichen sie, wie sehr Technologie, Politik und Architektur miteinander verflochten sind, und erinnern zugleich daran, dass die Wahrung des Friedens und der Völkerverständigung unsere höchsten Werte sind. Um diese Geschichten zum Leben zu erwecken, wurde der Cluster FORTE CULTURA als Teil der Europäischen Kulturroute gegründet, der sich auf das Thema „Unterirdische Festungen: Die geheimen Bauwerke des Kalten Krieges“.
Anhand von vier Beispielen für die Umnutzung von ehemals strategisch wichtigen Bunkern aus der Zeit des Kalten Krieges wurden mögliche Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch die damit verbundenen Probleme und künftigen Herausforderungen aufgezeigt.
Bundesbank Bunker Cochem, DE
Der Bundesbankbunker in Cochem wurde ab 1962 zur Sicherung der Geldwertstabilität im Krisenfall errichtet. Er wurde 1966 fertiggestellt und besteht aus einem zweigeschossigen Haupttunnel und Zugangstunneln. Nach seiner Stilllegung in den späten 1980er Jahren wurde er mehrfach verkauft. Heute ist die Anlage ein Museum, das Einblicke in die Geschichte des Kalten Krieges bietet und jährlich über 40.000 Besucher anzieht.
Dokumentationszentrum Regierungsbunker Ahrtal, DE
Er wurde als massiver Atombunker im Ahrtal konzipiert und sollte im Kriegsfall die Bonner Regierung in zwei miteinander verbundenen Tunneln beherbergen. Er erstreckt sich über eine Länge von mehr als 17 Kilometern und war für die Unterbringung von 3.000 Regierungsbeamten ausgelegt. Nach seiner Schließung wurde der Bunker zwischen 2001 und 2006 abgebaut, wobei ein Teil davon als Museum erhalten blieb. Er dient als Dokumentationszentrum zur Geschichte des Kalten Krieges und wurde seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 von über 1,1 Millionen Besuchern besichtigt.
Bunker Monte Soratte, Sant'Oreste, IT
Der italienische Bunker Monte Soratte, nördlich von Rom gelegen, hat eine ähnliche Entwicklung durchgemacht. Der unterirdische Komplex im Inneren des Berges erstreckt sich über eine Länge von mehr als vier Kilometern und wurde zwischen 1983 und 1943 errichtet. Zunächst diente er Mussolinis faschistischer Regierung, ab 1943 wurde er von der deutschen Wehrmacht genutzt, und nach dem Krieg diente er zehn Jahre lang bis 1962 als Italiens größtes Munitionsdepot. Ausgelöst durch die Kubakrise wurde er fünf Jahre lang zu einem atomsicheren Bunker ausgebaut, in dem die höchsten italienischen Beamten untergebracht werden konnten; er blieb bis 2008 unter dem NATO-Sicherheitscode ‘Cosmic Top Secret’ eingestuft. Der Bunker besteht aus zwei Ebenen und hat eine Grundfläche von 1,3 km², die durch eine mindestens 200 m dicke Kalksteindecke geschützt ist. Heute ist der Bunker ein historisches Museum, das jährlich über 40 000 Besucher anzieht.
Kulturbunker Strausberg, DE
Der ehemalige Postbunker in Strausberg wird seit 2018 als Kultur- und Gedenkstätte genutzt. Der Bunker wurde zwischen 1979 und 1984 zum Schutz der staatlichen Telekommunikationsinfrastruktur gebaut. Er diente als Notrufzentrale für die DDR und war mit modernster Technik ausgestattet. Nach der Wiedervereinigung verlor der Bunker seine militärische Funktion und verfiel im Laufe der Jahre. Heute dient er als Ort für kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprogramme zur Vermittlung der Geschichte der DDR und des Kalten Krieges. Der 600 Meter lange Stollen ist einer der längsten seiner Art in Europa.

Auf die Frage, ob die heute als Museen genutzten Bunker heute wieder ihre ursprüngliche Schutzfunktion erfüllen könnten, gab es keine eindeutige Antwort. Dies hängt nicht zuletzt von ihrem baulichen und technischen Zustand ab. Vor allem Fragen danach, welches Schutzniveau in Zukunft zu erwarten ist, erfordern eine parteiübergreifende politische Antwort. Die FORTE CULTURA-Broschüre „Entdecke Bunker des Kalten Krieges“, die gemeinsam von den Veranstaltern herausgegeben wurde, sowie die kürzlich erschienene Broschüre „Zivilschutz“, die von der Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos zur Verfügung gestellt wird, wurden jedenfalls von allen Seminarteilnehmern dankbar aufgenommen.
Weitere Veröffentlichungen zur Veranstaltung:
- https://mol-nachrichten.de/aktuell-detail.php?id=5775
- https://www.strausberg-live.de/fotogalerie.php?id=111180


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