Autor: Tomáš Jirouch

Fotos von: Tomáš Jirouch, Tomáš Karlík; https://brutalassault.cz/sk/o-brutalu

Jedes Jahr im August verwandelt sich Josefov in der Tschechischen Republik in eines der bemerkenswertesten Kulturziele Europas. Zehntausende Besucher aus ganz Europa und der ganzen Welt versammeln sich in der Militärfestung aus dem 18. Jahrhundert, um an Brutaler Überfall, eines der weltweit führenden Festivals für extreme Musik.

Das „Brutal Assault“ ist weit mehr als nur ein Musikfestival. Es hat sich zu einem herausragenden Beispiel dafür entwickelt, wie historische Festungsanlagen erfolgreich als Schauplatz für zeitgenössische Kulturveranstaltungen dienen können, ohne dabei ihren einzigartigen architektonischen Charakter zu verlieren. Die Festung Josefov dient nicht bloß als spektakuläre Kulisse, sondern wird zu einem aktiven Bestandteil des Besuchererlebnisses, bei dem sich Geschichte und moderne Kultur gegenseitig bereichern.

Das Festival ist außerdem Teil der Europäischer Festungssommer, koordiniert von FORTE CULTURA, einer Organisation, die kulturelle Veranstaltungen in historischen Festungen in ganz Europa fördert. Das Brutal Assault-Festival zählt zu den größten und international bekanntesten Veranstaltungen dieser Art und zieht Besucher an, die sonst vielleicht nie das einzigartige Festungserbe Europas entdecken würden.

Vortrag “Die Geschichte von Josefov”

Tomáš Jirouch, Vertreter von „Bastion I“ und der „Underground“ in Josefov (Mitglied von FORTE CULTURA), hielt einen Vortrag über die Geschichte von Josefov. Da der Vortrag auf Englisch gehalten wurde, bot sich dabei auch eine hervorragende Gelegenheit, dem Publikum andere Festungen in ganz Europa vorzustellen. Schließlich stammte ein erheblicher Teil der Besucher der Präsentation (etwa 80 Teilnehmer) aus dem Ausland, darunter Gäste aus Deutschland (auch aus Berlin) und Polen sowie aus Dänemark, den Benelux-Ländern und Italien. Tschechische Besucher machten nur eine kleine Minderheit des breit gefächerten Publikums aus.

Im Zusammenhang mit Josefov war es besonders wichtig, weitere Beispiele für befestigte Idealstädte und ihr gemeinsames europäisches Erbe hervorzuheben. In dem Vortrag wurden daher auch kurz Festungen wie Fredericia (DK) oder Daugavpils (LV) vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit galt natürlich Terezín (CZ) oder Klodzko (PL). Indem Josefov in diesen breiteren europäischen Kontext eingeordnet wurde, zeigte der Vortrag, wie einzelne Festungen nicht als isolierte Denkmäler, sondern als Teil eines größeren Netzwerks befestigter Kulturerbestätten verstanden werden können, die gemeinsame architektonische, historische und kulturelle Traditionen teilen. Das Publikum wurde dazu angeregt, Festungen in ihren eigenen Ländern zu entdecken und zu besuchen.

Eine Festung wie keine andere

Josefov zählt nach wie vor zu den am besten erhaltenen Bastionsfestungen Mitteleuropas. Massive Festungsmauern, Backsteinbaracken, unterirdische Tunnel und weitläufige Innenhöfe schaffen eine Atmosphäre, die kein eigens dafür errichteter Festivalort jemals nachbilden könnte.

Die Veranstalter haben den einzigartigen Charakter des Geländes aufgegriffen. Anstatt die historische Umgebung zu ersetzen, integriert das Festival seine Bühnen, Galerien, Kinos, Ausstellungen und Ruhebereiche in die bestehende Militärarchitektur. Die Besucher erleben Konzerte und entdecken gleichzeitig die Festung.

Kulturerbe als Motor der regionalen Entwicklung

Das „Brutal Assault“-Festival zeigt, wie das kulturelle Erbe zu einem Motor für die regionale Entwicklung werden kann. Jedes Jahr sorgen Tausende internationale Gäste für erhebliche wirtschaftliche Vorteile für lokale Beherbergungsbetriebe, Restaurants, Einzelhändler und touristische Dienstleister in der gesamten Region. Ebenso wichtig ist die Aufmerksamkeit, die das Festival der Festung Josefov selbst verschafft.

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für die Verbindung zwischen dem Brutal Assault und der Erhaltung von Josefov ist das BA SOBĚ Initiative. Seit seiner Gründung bringt dieses Freiwilligenprogramm Festivalfreunde zusammen, die ihre Zeit und Energie dafür einsetzen, das ganze Jahr über bei der Restaurierung und Instandhaltung der Festung mitzuhelfen. Die Freiwilligen haben an Aktivitäten an Orten wie Ravelin Nr. XIV, wo sie bei der Renovierung historischer Gebäude halfen, darunter auch bei der Restaurierung eines Holzbodens in der ehemaligen Scheune.

Durch „BA SOBĚ“ sind Besucher nicht mehr nur Zuschauer einer Kulturveranstaltung – sie werden zu aktiven Mitwirkenden bei der Erhaltung des Ortes, an dem diese stattfindet. Die Initiative ist ein eindrucksvolles Beispiel für gemeinschaftsgetragene Denkmalpflege und zeigt, wie eine moderne Kulturveranstaltung eine dauerhafte Beziehung zwischen Menschen und historischer Architektur schaffen kann.

Brutalisten, die die Festung im Jahr 2016 restaurierten

Das Gleichgewicht zwischen Denkmalschutz und zeitgemäßer Nutzung ist europaweit zu einem immer wichtigeren Thema geworden. Josefov zeigt, dass groß angelegte Kulturveranstaltungen bei verantwortungsvoller Organisation erfolgreich mit dem Denkmalschutz koexistieren können.



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